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Dubplate 48 Interview

Matthias. Im folgenden lest ihr ein Interview, das ich mit dem Sänger und Gitarristen Jan Fischer von Dubplate48 gemacht habe, einer Band, die beweist, wie gut man Roots Reggae, Ska, Dub und Dancehall zusammen unter einen Hut und auf eine Platte bringt! Jan Fischer ist auch Betreiber von Inspector Dread!

Wie kam es eigentlich zu der Namensgebung «Dubplate 48»?
Eine offizielle Erklärung dazu gibt es eigentlich nicht. 2001 brauchte das Kind eben einen neue Namen. Aber folgende Fakten haben die Entscheidung beeinflusst: Unsere Vorliebe für die jamaikanische Soundsystem-Kultur und die Tatsache, dass Dubplates gerne einige Umdrehungen schneller als 45 rpm abgespielt werden. Großartig!

Mit welchen Bands seid ihr schon aufgetreten?
Wir durften die Bühnen schon mit vielen Artists und Soundsystems teilen. Die bekanntesten waren Burning Spear, Dennis Brown, Alpha Blondy, Linton Kwesi Johnson, Buju Banton, Seeed, Dub Syndicate, Laurel Aitken uvm. Ich hoffe, da kommen noch ganz viele dazu!

Seid ihr auch schon im Ausland aufgetreten? Wo?
Leider ergab sich diese Gelegenheit bisher aber viel zu selten. Unterwegs waren wir vor kurzem mal in der Schweiz und in Österreich. Da scheint Reggae momentan zu explodieren. Ein paar Gigs sind auch noch im Gespräch. Jedenfalls waren die Leute super nett und wir haben tolle Erinnerungen an die Konzerte im Ausland. Wir suchen auch speziell dafür eine Agentur, die uns beim Booking unterstützt.

Wie kommt die CD an beim Publikum?
«Cook And Curry» kommt ja gerade frisch in die Läden und wird erst seit wenigen Wochen auch bei unseren Live-Shows vorgestellt. Das Feedback bisher war auf jeden Fall sehr positiv. Wir haben oft gehört, dass die Mischung aus Modern Roots Reggae, Ska, Ragga und Dub das Album besonders auszeichnet.
Natürlich auch, dass Dr. Ring-Ding und King Django mit fetten Tunes mit von der Partie sind. Und für unseren Song auf dem Riddim-Sampler (03/05) haben
wir viele Forwards von der deutschen Reggae-Massive bekommen.

Im Song «Fool dem all» singst du über Natty Dread, Rasta, Marcus Garvey! Hast du oder auch andere Members näheren Bezug zu Rasta? Bezeichnest du dich als Rasta? Was bedeutet Rasta für dich?
Es geht um Brainwash Education, Politrics, falsche Wahrheiten, TV-Shows und kurzlebige Teenie-Pop-Projekte. Rasta steht in diesem Zusammenhang für
Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit, Einigkeit und Anti-Establishment. Eigenschaften und Einstellungen, die meiner Ansicht nach nicht an Äußerlichkeiten festzumachen sind, sondern vielmehr im Innern eines Menschen liegen. Rasta ist für mich eine geistige Einstellung, unabhängig von der Hautfarbe und Herkunft, nie im Trend oder out. In der Geschichte des Rastafarianismus spielt Garvey, die «Rückkehr nach Afrika» und die Prophezeihung hinsichtlich der Krönung von Haile Selassie I eine entscheidende Rolle. «Fool Dem All» soll besonders junge Leute zum Nachdenken anregen und zeigen, dass die kritische Auseinandersetzung mit Medien, Politik und Gesellschaft wichtig ist für eine eigene freie Meinungsbildung. Dass Rasta mehr ist als Dreads, Reggae und Ganja und vielleicht eine echte Alternative zur Mainstream-Ideologie darstellt. Die Lyrics kommen deshalb auch zum Teil in deutsch. Rasta sehe ich als eine universale (geistige) Entschlossenheit, Unterdrückung und Diskriminierung zu bekämpfen. One Love, Peace and Unity. Rastafarianismus ist die Religion.

Lebt Ihr von der Musik, bzw. könnt ihr davon leben?
Einige von uns leben davon, andere leben dafür und wieder andere wollen gerne mal davon leben. Denn Musik spielt bei uns allen eine wichtige Rolle. Die meisten der aktuell 10 Members haben aber ihre Jobs, studieren oder arbeiten gleichzeitig an mehreren Projekten. Denn bisher stecken wir unsere Kohle direkt wieder in die Band, finanzieren CDs, Shirts usw. selbst. Mit Dubplate alleine reicht das bisher also noch nicht zum Überleben. Mit Riddim- und Harmony-Section, drei Bläsern und zwei Backing-Sängerinnen ist unsere Posse auch nicht gerade auf Wirtschaftlichkeit getrimmt. Wichtiger ist uns da das Plus an Sound und die Vielseitigkeit der Arrangements. Wir freuen uns auf die Zukunft und das, was noch kommt. An Spaß und Motivation fehlt es jedenfalls nicht.

Wie siehts aus mit Familie? Kinder? Wie steht sie zum Musikbusiness?
Family und Freunde sind ein wichtiger Part in unserem Leben. Hier erhalten wir sehr viel Rückhalt und Unterstützung für unsere Arbeit. Wenn man viel mit der Band unterwegs ist, probt und produziert, bedeutet das natürlich immer Kompromisse bei Beziehungen und Freundschaften. Und mit unserer Musik
versuchen wir auch das zurück zu geben, was wir von anderen bekommen. Denn ohne diesen Support von Freundinnen, Freunden und Familie würde die Sache sicher so auch nicht funktionieren können. We are all brothers and sisters, together.


Welche anderen Einnahmequellen?
Einige geben Unterricht, verdienen sich neben dem Studium Geld in Jazz- und Bigbandprojekten dazu oder Jobben eben hier und da. Manche Members sind in Berufen oder selbstständig und stellen eigene Dinge auf die Beine. Der Wunsch, sich irgendwann voll auf die Musik zu konzentrieren und damit ein Auskommen zu haben eint uns aber alle.


Du betreibst ja auch Inspector Dread. Erzähl den Lesern ein bisschen darüber!
Inspector Dread wurde 1998 als Internet-Magazin und Szene-Plattform für Ska, Reggae und Jamaican Lifestyle ins Leben gerufen. Wir wollten die Liebe zur jamaikanischen Musik mit möglichst vielen Leuten teilen, unsere Ideen von Unity und Respekt verbreiten und Ansprechpartner in Sachen Roots & Culture sein. Heute verbirgt sich hinter I-Dread auch ein eigenes Musik- und Streetwearlabel und der Online-Shop inspectordread.com. Ich importiere Jamaican Food und Drinks, release Alben, wie «Cook And Curry», entwerfe Reggae-Clothing und -Accessoires und arbeite am Aufbau einer Musikagentur.
Zusammen mit vielen Breddren realisieren wir diverse Projekte, bauen z.B. eigene Jerk-Tonnen, organisieren Events oder basteln Websites für die Reggae-Szene. Es gibt also jede Menge zu tun. Never Stop!

Warst du schon mal auf Jamaica?
Ja, viel zu selten und immer viel zu kurz. Aber umso intensiver. Ich wollte mir auf Jamaika Inspiration, Erfahrungen und eine kräftige Dosis guter Vibes abholen. Auch musste ich dorthin, wo Ska, Rocksteady und Reggae einst entstanden sind. Bei meinen Aufenthalten habe ich deshalb unendlich viele Shows besucht, mit Leuten geredet und die Atmosphäre in mich aufgesogen und konserviert. Für eigene Produktionen auf der Insel hat es leider bisher noch nicht gereicht. Durch I-Dread telefoniere ich heute aber fast täglich mit Kingston und bleibe in Kontakt. Diese Connection ist mir sehr wichtig und
hier fühle ich mich zuhause.

Abschlussmessage für die Leser!
Step forward! Never Stop! Keep on keeping on and teach the youth right! Unite!
Bless´ and big up AT!



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